Teilnehmer des Spiels während einer "Prüfung".

All Eyes On Me! – Bestes Larp (Alternatives Genre) 2014

Als Anregung für Bewerber stellen wir hier in den nächsten Wochen einige Gewinner aus den Vorjahren vor. Heute: All Eyes On Me! – Bestes Larp (Alternatives Genre) 2014

All Eyes On Me! ist ein neues Unterhaltungsformat: 30 Kandidaten, drei Tage, ein Haus. Überall befinden sich Überwachungskameras, Kontakt zur Außenwelt gibt es nur durch eine Stimme aus dem Off, die Informationen und Anweisungen verteilt. Alles scheint wie in einer klassischen Kandidatenshow à la Big Brother, Dschungelcamp oder Der Bachelor abzulaufen. Doch irgendetwas stimmt nicht. Das Haus weiß zu viel, und es passieren seltsame Dinge …
Die Situation wird zunehmend surrealer, die Gruppenspiele und Prüfungen haben nichts mit Familienunterhaltung gemein. Einige Kandidaten kennen sich, manche sprechen nicht darüber, wieder andere verbergen offensichtlich etwas. Nach und nach wird klar, dass alle Kandidaten miteinander verbunden sind. Es müssen offenbar subtile oder direkte konflikt- und schuldbeladene Zusammenhänge aufgedeckt und gelöst werden, um schließlich einen Weg aus dem Haus zu finden.

Was die Spieler nicht wissen ist, dass ihre Charaktere sich an der Schwelle des Todes befinden, die drei Tage im Haus symbolisieren die letzten drei Minuten ihres Lebens. In der (Spiel-)Realität wurde ihnen ein furchtbarer Massencrash zum Verhängnis. Die Spielshow, in der sie zu sein scheinen, existiert nur in ihren Köpfen und symbolisiert einen Weg aus dem Labyrinth ihres eigenen Geistes zurück ins Bewusstsein.

Die Veranstalter hatten sich zum Ziel gesetzt,  ein sich selbst tragendes Larp zu kreieren, das möglichst ohne Eingriffe in den Spielverlauf von out-time Personen auskommen konnte. Die Geschichte sollte dennoch so geschrieben sein, dass sie jedem Spieler ein tiefgehendes Erlebnis und einen persönlichen Plot als Teil eines großen Ganzen bot. Alle Charaktere waren vorgegeben und so miteinander verknüpft, dass sich eine kreisförmige Kette von Beziehungen ergab, die es während des Spiels zu ergründen galt.
Ort des Geschehens war die Musikakademie Dümmersee aus, ein hübsches Tagungshaus, das mit hohem technischem und logistischem Aufwand in einen Gameshow-Container umgebaut wurde. Dazu wurde die komplette Location verkabelt und mit Technik ausgestattet. Mit Hilfe von neun Kameras konnten alle öffentlichen Bereiche zentral überwacht werden und es bestand die Möglichkeit, die Spieler von der Orga-Zentrale aus zu verfolgen. Um die Privatsphäre der Spieler zu wahren, gleichzeitig aber die Illusion der totalen Überwachung aufrecht zu erhalten, waren in den Übernachtungsräumen blinkende Fake-Kameras verbaut und auch die Sanitärräume waren mit beweglichen Fake-Kameras ausgestattet. Die Aufenthaltsräume konnten zudem mit hochempfindlichen Studiomikrophonen abgehört werden.

Wichtigstes Kommunikations- und Steuerungsmedium war die Stimme aus dem Off, wie sie bei typischen TV-Formaten zum Einsatz kommt. Diese wurde durch eine Sound-Anlage realisiert, mit der das komplette Haus beschallt werden konnte. Sie war durch die durchgehende Überwachung immer am Puls des Geschehens, konnte direkt auf Spielerhandlungen reagieren und wirkte dadurch bedrohlich nah.
Mit allen Kandidaten wurden für solche Unterhaltungsformate typische Gruppenspiele durchgeführt, bei denen Konflikte, Ekel und Schmerz überwunden werden mussten. Zusätzlich bekamen alle Charaktere in einem separierten Bereich personalisierte Aufgaben gestellt, welche nicht nur die Kandidaten, sondern auch die Spieler in Grenzsituationen bringen sollten. Dabei wurden teilweise reale Reize wie (medizinisch harmlose und sichere) Elektroschocks oder auch psychischer Druck eingesetzt. Die Spieler konnten out-time natürlich selbst entscheiden, wie weit sie gehen wollten, und hatten zu jeder Zeit die Möglichkeit, diese Prüfungen abzubrechen.
All Eyes On Me! wurde zum Jahreswechsel 2013/2014 umgesetzt und 2014 mit dem F.R.E.D. in der Kategorie Bestes Larp (Alternatives Genre) ausgezeichnet. Die Homepage zum Spiel findet sich unter www.ship-of-foools.de.

Das sagte die Jury zu diesem Konzept:

Ein überaus spannendes Konzept durch Kameras und Lautsprecherdurchsagen faktisch ohne Spielleitung und NSCs auszukommen, in Kombination mit einem gelungenen Setting in Reality-TV-Manier hat die Jury begeistert. Die Erfahrung, den letzten Moment des Lebens während eines tragischen Verkehrsunfalls, den aufblitzenden letzen Gedanken, spielbar zu machen ist faszinierend und spannend. Sich bei der Umsetzung an Elementen des Nordic-LARPs zu orientieren, war eine hervorragende Idee.